Privatschulen sind nicht in Trägerschaft des Staates und somit keine öffentlichen Schulen. Die freien Träger können kirchliche Organisationen, Gewerkschaften, Vereine, Privatpersonen und sonstige Gesellschaften sein. Es gibt Ersatz- und Ergänzungsschulen. Ersatzschulen sind staatlich anerkannt und vergeben auch anerkannte Abschlüsse (bspw. das Abitur). Ergänzungsschulen müssen nicht staatlich genehmigt werden und somit erfüllen ihre Schüler in der Regel auch nicht die Schulpflicht (auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel).
Nach Berechnung von Kölner Wissenschaftlern liegt die Abiturientenquote an Privatschulen in zwölf Bundesländern um mindestens 10 Prozentpunkte höher als in staatlichen Schulen. Auch im internationalen Bildungsvergleich, der "Pisa-Studie", schnitten die Privatschulen besser ab. Von 1992 bis 2005 hat sich die Zahl der Privatschüler um gut 43 Prozent von 450.000 auf 640.000 erhöht. Staatliche Schulen hingegen blieben auf einem konstanten Niveau. Der Anteil der Privatschüler an allgemeinbildenden Schulen wuchs in Folge von 4,8 auf 6,7 Prozent. Damit liegt er aber immer noch deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder von 15,1 Prozent.
Waldorfschulen führen in zwölf Schuljahren zu einem eigenen Abschluss, dem Waldorfschulabschluss. Dieser gewichtet besonders stark künstlerische Fächern und soziale Kompetenzen. Der Waldorfabschluss kann als gleichwertig mit einem staatlichen Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss anerkannt werden. Auf das Abitur bereiten die Waldorfschulen in einem zusätzlichen 13. Schuljahr vor, der dann genau wie beim staatlichen Abitur in acht Fächern unter Aufsicht einer Staatsschule abgelegt wird. Eine Ausnahme bildet Hessen, wo die Sekundarstufe II der Waldorfschulen meist als gymnasiale Oberstufe anerkannt ist. Der Aufbau und das Verfahren ähnelt also dem von staatlichen Schulen. Auf das Fachabitur (Fachhochschulreife) wird in der 12. Klasse vorbereitet, wobei dann der künstlerische Abschluss wegfällt; an einigen Waldorfschulen kann dies mit einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf verbunden werden. So kommt es nicht selten vor, dass Schüler die Waldorfschule nach nur 14 Schuljahren mit einem abgeschlossenen Lehrberuf und einem staatlichen Abitur verlassen.
Private Schulen mit einem Oberstufenzweig bereiten ebenfalls - in Tages- oder Abendform - auf das Abitur vor, das dann allerdings erst nach einer externen staatlichen Prüfung (so genannte "Nichtschülerabiturprüfung", "Schulfremdenreifeprüfung" oder auch "Schulfremdenprüfung") zuerkannt wird. Die meisten Privatschulen, besonders die zahlreichen kirchlichen, sind nicht nur staatlich zugelassen, sondern auch staatlich anerkannt, so dass es möglich ist, die Hochschulreife regulär im Rahmen interner Prüfungen zu erlangen.
Der Vorteil vieler Privatschulen liegt darin, dass im Gegensatz zum Abendgymnasium oder anderen Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs ein Abitur schon nach einem Jahr abgelegt werden kann (Vorbereitung auf die Nichtschülerprüfung). Die MATURUM Hochschule bspw. setzt dafür ein Mindestalter von 19 Jahre voraus. Zudem darf der Schüler mindestens 6 Monate vor Kursbeginn nicht mehr Schüler eines staatlichen Gymnasiums gewesen sein. Wenn diese Vorraussetzungen nicht erfüllt ist, gibt es die Möglichkeit, die Vorbereitung auf 1,5 Jahre auszudehnen. Außerdem muss der Schüler solide Kenntnisse in zwei Fremdsprachen haben. Am MATURUM werden Englisch und Französisch unterrichtet. Der Unterricht findet von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr und an zwei Nachmittagen von 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr statt. Zudem gibt es auch Zusatzunterricht. Neben dem Ganztagskurs gibt es auch einen Abendkurs, der dann 21 Monate dauert. Kosten belaufen sich für den Vorkurs auf 273 Euro, 353 Euro für die Hauptkurse (Tageskurs) und 330 Euro für den Abendkurs. Die Aufnahmegenbühr in Höhe von 230 Euro ist bei Abschluss des Vertrages einmalig zu zahlen. Das MATURUM in Frankfurt / Main ist übrigens auch BAföG-förderungsfähig.
Hier geht es zu einem Focus-Artikel vom 20. April 2008.