Abitur an der Waldorfschule

Waldorfschulen (auch Rudolf-Steiner-Schulen) sind in Deutschland staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft auf Grundlage der von Rudolf Steiner (1861-1925) begründeten Waldorfpädagogik. Im Schuljahr 2010/11 besuchten laut Statistischem Bundesamt 80.843 Schülerinnen und Schüler die Freien Waldorfschulen in der BRD.

Waldorfschulen besitzen einige Besonderheiten. So gibt es zum Beispiel nach dem Prinzip der gemeinsamen Bildung (Pädagogik der Förderung) kein Sitzenbleiben. Darüber hinaus werden in der Unter- sowie Mittelstufe keine Notenzeugnisse erteilt. Vielmehr gibt es individuelle Beurteilungen, in denen die Lehrer gleichermaßen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Lernfortschritte ihrer Schüler eingehen.

Abschlüsse an der Waldorfschule

Waldorfschulen führen in zwölf Schuljahren (Regelschulzeit) zu einem eigenen Abschluss, dem Waldorf(schul)abschluss. Dieser gewichtet besonders stark künstlerische Fächer und soziale Kompetenzen. Auf das Abitur, das heißt in abiturrelevanten Fächern, bereiten die Waldorfschulen ab der 12. Klasse und in einem zusätzlichen 13. Schuljahr vor. Im Jahr 2010 erwarben 51 % der Schulabgänger aus Freien Waldorfschulen (in absoluten Zahlen 2.829 von 5.542) die allgemeine Hochschulreife.

Waldorfabitur: KMK Vereinbarung über die Durchführung der Abiturprüfung für Schülerinnen und Schüler an Waldorfschulen

Von der Kultusministerkonferenz gibt es eine Vereinbarung über die Durchführung der Abiturprüfung für Schülerinnen und Schüler an Waldorfschulen, "deren Bestimmungen die sich aus der Pädagogik der Waldorfschulen ergebenden Besonderheiten und die Notwendigkeit, die Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife in den Ländern gleichwertig und vergleichbar zu halten, berücksichtigt". Demnach ergibt sich die Gesamtqualifikation im Gegensatz zur gymnasialen Oberstufe staatlicher Schulen - abgesehen von einer wahlweisen besonderen Lernleistung (Ziffer 6.8) oder der Anrechnung von Leistungen aus der 13/2 in zwei mündlichen Prüfungsfächern (Ziffer 7.2) - ausschließlich aus den Prüfungsleistungen der vier schriftlichen und vier mündlichen Prüfungsfächer einer "modifizierten" Nichtschülerabiturprüfung.

Die Waldorfschulen können aber auch eine staatlich anerkannte gymnasiale Oberstufe besitzen, sofern das Land dies zulässt bzw. ermöglicht. In diesen Fällen können neben den Abiturprüfungsergebnissen - u.U. wird dabei am Zentralabitur eines Bundeslandes teilgenommen - auch die Leistungen aus der Qualifikationsphase mit in die Abitur Gesamtqualifikation einfließen.

Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife, die auf der Grundlage der KMK Bestimmungen erworben wurden, werden in allen deutschen Bundesländern gegenseitig anerkannt.

Desweiteren sieht der KMK Beschluss vor, dass bei Nichtbestehen der Prüfung zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife unter bestimmten Bedingungen nach Entscheidung der Länder der schulische Teil der Fachhochschulreife erworben werden kann (geht definitiv nicht in Bayern sowie Sachsen und wird dort auch nicht anerkannt).