Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie an der Berufsoberschule (BOS) und der Fachoberschule (FOS) das Abitur nachholen können. Die beiden Schulformen werden nicht in allen deutschen Bundesländern angeboten und existieren sowohl in eigenständiger Form als auch "unter dem Dach einer größeren Organisationsform" im beruflichen Bildungswesen (wie bspw. das Berufskolleg in NRW, die Berufliche Oberschule in Bayern - kurz BOB - oder das Oberstufenzentrum in Berlin und Brandenburg).
Mit der Berufsoberschule (kurz BOS) gibt es die Möglichkeit, die fachgebundene - bei ausreichenden Kenntnissen in einer zweiten Fremdsprache sogar die allgemeine - Hochschulreife in einem zweijährigen Vollzeitbildungsgang nachzuholen. Das erste Jahr der Berufsoberschule kann durch andere zur Fachhochschulreife führende, abgeschlossene Bildungswege ersetzt werden (z.B. die Fachoberschule). Die Berufsoberschule kann auch in Teilzeitform mit entsprechend längerer Dauer geführt werden. Zudem gibt es für Nichtschüler die Möglichkeit, eine Schulfremdenprüfung abzulegen.
Ins erste Jahr der Berufsoberschule wird aufgenommen, wer
nachweist. In die BOS 13 (Abschlussklasse der Berufsoberschule) direkt aufgenommen werden kann, wer zusätzlich die Fachhochschulreife sein Eigen nennt.
Hat der Schüler bereits in Klasse 12 der BOS ein Wahlfach über eine zweite Fremdsprache belegt und führt dieses Zusatzangebot in der 13. Klasse fort (insgesamt 320 Stunden), so gibt es nach der 13. Klasse bei ausreichenden Leistungen in der Abschlussklasse die allgemeine Hochschulreife. Die nötigen Fremdsprachenkenntnisse können je nach Landesverordnung auch alternativ nachgewiesen werden (bspw. über eine mindestens mit der Note "ausreichend" abgelegte Ergänzungsprüfung, durch den Erwerb eines KMK-Fremdsprachenzertifikats auf Niveaustufe II im Rahmen der beruflichen Bildung oder mittels ausreichendem Unterricht in einer anderen Schulart/-form). Werden die nötigen Kenntnisse nicht nachgewiesen, so erhält der Absolvent am Ende der Berufsoberschule / BOS 13 die fachgebundene Hochschulreife.
Die Berufsoberschule bietet die Ausbildungsrichtungen (Zweige):
Man kann in der Regel nur den BOS-Zweig besuchen, in dem man zuvor auch seine berufliche Vorbildung erlangt hat (Ausnahmen sind aber möglich).
Rahmenvereinbarung über die Berufsoberschule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.11.1976 i.d.F. vom 03.12.2010)
Die VIBOS, eine Onlineplattform der Berufsoberschule Erlangen, bietet die Fachhoschulreife in ein bis zwei Jahren an. Auch die Hochschulreife ist geplant. Mehr Infos dazu u.a. hier.
Im "Widerspruch" zur KMK Rahmenvereinbarung wird für den Besuch der Berufsoberschule II in Rheinland-Pfalz laut Landesverordnung über die Berufsoberschule (vom 26. Juli 2005) § 4 Absatz 3 lediglich die Fachhochschulreife und keine berufliche Vorbildung verlangt. Damit handelt es sich eher um eine FOS 13 (siehe nächster Abschnitt).
Die FOS 13 (Fachoberschule 13) führt in Bayern, Berlin (aktuell als Schulversuch!) und Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Jahres zur Hochschulreife. Aufnahmevoraussetzung ist in jedem Fall mindestens die Fachhochschulreife (weiteres siehe nächste Absätze mit den länderspezifischen Ausgestaltungen). Mit einer zweiten Fremdsprache gibt es über die FOS 13 die allgemeine Hochschulreife, ohne jedoch "nur" die fachgebundene Hochschulreife (in der besuchten Fachrichtung der Fachoberschule, diese entsprechen den Ausbildungsrichtungen der BOS > siehe oben). In anderen Ländern führt die Fachoberschule "nur" zur Fachhochschulreife (nach den Klassen 11 und 12), mit der man normalerweise ausschließlich an Fachhochschulen und gleichgestellten Hochschulen studieren darf. In die Klassenstufe 11 der FOS wird man mit einem mittlerem Schulabschluss aufgenommen. Die 11. Klasse der Fachoberschule kann bundeslandspezifisch überspringen, wer über eine fachrichtungsbezogene berufliche Vorbildung verfügt (in NRW z.B. "Klasse 12 B" genannt), bspw. eine einschlägige abgeschlossene Berufsausbildung oder hinreichende einschlägige Berufserfahrung (weiteres siehe entsprechende Landesverordnungen).
Rahmenvereinbarung über die Fachoberschule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004 i.d.F. vom 01.10.2010)
Um in die bayrische FOS 13 aufgenommen zu werden, benötigt man die Fachhochschulreife mit einem Durchschnitt von mindestens 2,8. Wenn an einem Standort mehr Bewerbungen vorliegen als Plätze zur Verfügung stehen, werden die Bewerber mit den besten Durchschnittsnoten aufgenommen. Neueinsteiger müssen zudem eine Probezeit überstehen. Der Schulversuch in Bayern wurde mit dem Schuljahr 2007/08 erfolgreich beendet, die FOS 13 ist nun fester Bestandteil des Systems der beruflichen Oberschulen.
Unterseite des FOS/BOS-Netzes zur FOS Jahrgangsstufe 13
An einigen wenigen Oberstufenzentren in Berlin läuft aktuell der Schulversuch "FOS 13" (Fachoberschule 13). Dabei handelt es sich um ein "Pilotprojekt", der es guten Absolventen der Fachoberschule (allgemeine Fachhochschulreife mit einer ausgewiesenen Durchschnittsnote von mindestens 2,5) ermöglichen soll, im direkten Anschluss an die Fachoberschule ohne eine Berufsausbildung eine (schulische) Zugangsberechtigung zur Universität zu erwerben. Der Unterricht erfolgt nach der Ausführungs- und Prüfungsordnung der Berufsoberschule (APO-BOS) und wird als 13. Jahrgangsstufe der BOS erteilt.
In NRW benötigt man für die Aufnahme in die FOS 13 die Fachhochschulreife und eine mindestens zweijährige, erfolgreich abgeschlossene "einschlägige Berufsausbildung" bzw. eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit. Die Berufsausbildung muss dabei an den schulischen Fachrichtungen bzw. fachlichen Schwerpunkten orientiert sein. Damit unterscheidet sich das Bundesland in der Hinsicht, dass eine berufliche Vorbildung für den Besuch der FOS 13 unabdingbar ist, in Berlin und Bayern hingegen "überdurchschnittlich qualifizierte" Absolventen der Fachoberschule mit Fachhochschulreife (FH-Reife) das Abi in einem Jahr machen dürfen! Die KMK schreibt daher auch treffend in ihrer Rahmenvereinbarung über die Berufsoberschule: "In Nordrhein-Westfalen entspricht die Klasse 13 der Fachoberschule dem 2. Jahr der Berufsoberschule."
Fachoberschule in NRW
Schulstandorte (Berufskollegs) in NRW mit FOS 13 (PDF, Stand: 15. Oktober 2010, Liste mit Fachrichtung bzw. fachlichen Schwerpunkt)
In Baden-Württemberg gibt es keine Fachoberschule, sodass die fachgebundene (ohne zweite Fremdsprache) bzw. die allgemeine (mit zweiter Fremdsprache) Hochschulreife an Berufsoberschulen, beruflichen Gymnasien und allgemein bildenden Gymnasien erlangt werden kann. In Bayern sind die Berufsoberschule (BOS) und die Fachoberschule (FOS) unter dem Dach der Beruflichen Oberschule (BOB) seit dem Schuljahr 2008/09 als gleichwertiges Gegenstück zum Gymnasium zusammengefasst.
Berufsoberschule in Baden-Württemberg
Der bedeutende Unterschied zwischen BOS und FOS besteht darin, dass man die Berufsoberschule in der Regel nur mit mittlerer Reife (in Bayern kann aber bspw. in der Vorklasse der mittlere Schulabschluss in Vollzeit nachgeholt werden) und Berufsausbildung bzw. mindestens fünfjähriger Berufserfahrung besuchen darf, während man für die FOS nur die Mittlere Reife benötigt. Der Lernstoff der Jahrgangsstufe 13 von BOS und FOS ist aber trotzdem identisch. In der Jahrgangsstufe 13 schreiben BOS und FOS die gleichen Abschlussprüfungen.
Für den Besuch von BOS 13, OSZ oder FOS 13 gibt es "Schüler-Bafög", die Art ist bundesland- und schul- bzw. klassenabhängig!