Am Kolleg das Abitur nachholen

Ein Kolleg ist ein Institut der Erwachsenenbildung (Zweiter Bildungsweg, ZBW) zum Nachholen der allgemeinen Hochschulreife. Im Regelfall benötigt man drei Jahre, bis man das bundesweite Abitur an einem Kolleg ablegen kann. Je nach Kenntnis- und Leistungsstand erlangt man beim vorzeitigem Verlassen des Kollegs nach zwei Semestern (1 Jahr) die Fachoberschulreife und nach zwei weiteren Semestern (2 Jahre) den schulischen (ohne abgeschlossene Berufsausbildung) bzw. allgemeinen Teil (bei vorhandenem Berufsabschluss) der Fachhochschulreife. Teilweise sind Kollegs zugleich Prüfungsschulen für die Abnahme der EAP (Externenabiturprüfung).

Der Unterricht wird, anders als am Abendgymnasium, tagsüber erteilt und richtet sich somit an ehemals Berufstätige, die die Chance nutzen wollen, per Vollzeitunterricht ihre schulische Qualifikation zu erweitern. Es ist neben dem Kolleg-Besuch somit zeitlich und rechtlich nicht möglich, weiter in einem Beruf zu arbeiten - "Nebenjobs" ausgenommen. Manche Kollegs nehmen auch auch Blinde oder Sehbehinderte auf und führen sie zum Abitur.

Aufnahme am Kolleg

Voraussetzung für den Besuch eines Kollegs ist in der Regel der Realschul- oder ein vergleichbarer Abschluss und eine bereits abgelegte Berufsausbildung (2 Jahre). Ersatzweise werden aber auch die Führung eines Familienhaushaltes beziehungsweise nachgewiesene Arbeitslosigkeit und eine mehrjährige berufliche Tätigkeit (über 20 Wochenstunden und 3 Jahre) akzeptiert. Andere Tätigkeiten, wie Wehr- oder Zivildienst, ein soziales oder ökologisches Jahr, Selbständigkeit oder ein Jahr als Entwicklungshelfer können begrenzt ebenfalls als Berufstätigkeit anerkannt werden. Dazu sind aber die Nachweise vorzulegen. Das Mindestalter beträgt 19 Jahre, nach oben gibt es keine Begrenzung. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Regelungen in Hinsicht auf den Besuch eines Vorkurses oder dem Bestehen einer Eignungsprüfung. Ohne Eingangsprüfung gehts zudem auch bei einem Kollegwechsel. Die Anträge zum Abitur nachholen am Kolleg gibt es in den jeweiligen Sekretariaten.

Kolleg Phasen und Semester

In der Einführungsphase (11. Klasse) soll das Grundwissen für die zweijährige Qualifikationsstufe erlangt werden. In einigen Kollegs gibt es vor dem eigentlichen Kollegbesuch Vorkurse, um brachliegendes Wissen in zentralen Fächern aufzufrischen. In der Regel beginnen die Bewerber mit dem Vorkus, einige starten in der Einführungsphase und nur wenige mit der Qualifikationsphase (ab 12. Klasse). Der Einstieg in den unterschiedlichen Abschnitten hängt von den vorherigen Schulabschlässen ab. Verfügt man über eine gymnasiale Vorbildung (Versetzung in 12. Klasse erreicht, zwei Fremdsprachen in sechs bzw. vier Jahren) oder die Fachhochschulreife (ebenfalls zwei Fremdsprachen notwendig) braucht man mitunter keine Eingangsprüfung ablegen und muss auch nicht mit dem Vorkus beginnen. In diesem Fall kann man das Abitur an einem Kolleg innerhalb von zwei Jahren nachholen.

Fächerwahl und Abiturprüfung

Die Fächerauswahl und die Abiturprüfungen an einem Kolleg orientieren sich an denen des allgemeinen Gymnasiums, wobei bei der Fächerwahl die Einschränkungen des für das Bundesland zuständigen Kultusministeriums und der Kollegs zu beachten sind. Die einzelnen Unterrichtsfächer werden an einem Weiterbildungskolleg, wie in der gymnasialen Oberstufe, in unterschiedliche Aufgabenfelder unterteilt. Auch die Möglichkeiten am gewählten Kolleg kann zu weiteren Einschränkungen führen. Die Abiturprüfung am Kolleg findet im letzten Semester statt. Mittlerweile werden auch die Schulen des ZBW zentral geprüft. Sie besteht aus einer schriftlichen Prüfung in den beiden Leistungskursen und in einem dritten Prüfungsfach (Grundkurs), sowie einer mündlichen Prüfung (Grundkurs). Sollten die Abinoten stark von den Vornoten abweichen sind mündliche Nachprüfungen üblich. Diese Zusatzprüfungen kann man aber auch selbst beantragen, um die Gesamtnote zu verbessern. In welchen Fächern man sich prüfen lassen möchte, kann man in gewissem Maße selber festlegen. Genau wie bei anderen Prüfungen gibt es die Möglichkeit bei Fehlern die Abitur-Prüfung anzufechten.

Weitere Informationen zum Kolleg und Finanzierung

Viele Kollegs bieten zudem Arbeitsgemeinschaften an, die dann nach dem Unterricht stattfinden. Der Besuch des Kollegs und der Unterricht zum Abi nachholen ist kostenfrei. Bücher werden im Rahmen der Lernmittelfreiheit zur Verfügung gestellt und müssen daher nicht gekauft werden. Es besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht. Fehlt man unentschuldigt kann das zu Nichtbenotung in verschiedenen Fächern führen oder aber zur endgültigen Entlassung vom Kolleg kommen. Beurlaubungen müssen selbständig beantragt werden. Die Ferien richten sich nach den allgemeinen Schulferien der jeweiligen Bundesländer und betragen im Jahr in etwa 12 Wochen.

Zur Finanzierung wird in der Regel ab der Einführungsphase elternunabhängiges und darlehensfreies BAföG gewährt, welches nicht zurückgezahlt werden muss. Aufpassen: Im Vorkurs gibt es häufig keine Förderung, da die Unterrichtszeiten so gelegt sind, dass eine normale Berufstätigkeit ausgeübt werden kann! Erst bei einem ganztägigen Vorkurs erhöhren sich die Chancen auf BAföG-Unterstützung. Auch können hier Ausnahmebestimmungen greifen. Für über 30-Jährige gibt es mitunter Sonderregelungen. Hier muss man sich aber genau bei Sozialamt oder beim Amt für Ausbildungsförderung informieren.